Hwayoon Lee

Viola

„Hallo, Frau Mutter! Kann ich Ihnen jetzt ein paar Fragen stellen?“ so stürmt die Bratschistin Hwayoon Lee auf Anne-Sophie Mutter zu und die Geigerin, die sich gerade auf der Bühne eingespielt hat, antwortet genau so fröhlich und enthusiastisch, wie sie gefragt wird, „Hallo! Na klar!“

Man erfährt Persönliches vom Weltstar: dass sie sich vor den Konzerten körperlich in Bewegung bringt, das kann alles sein, vom Schneeschuhwandern bis zum Bergwandern und auch das Bodybuilding, Hauptsache ist, „dass viel Schweiß fließt!“ Hwayoon Lee hat auf ihrer letzten Tournee im Januar 2023 mit „Mutter‘s Virtuosi“, die mit sieben Konzerten von Island über Kanada in die USA führte, 20 Interviews zum 20jährigen Jubiläum der Amory University Atlanta für die Veröffentlichung in den sozialen Medien geführt. Auch für diese Form der Kommunikation beweist die Bratschistin aus Korea ein großes Talent und viel Leidenschaft.

Mit einem Brief an Anne-Sophie Mutter 2009 hat sich der Lebensweg der Musikenthusiastin Hwayoon Lee, deren Großvater eine große Plattensammlung besaß, entscheidend verändert.
Schon in Korea spielte sie mit 9 Jahren in öffentlichen Konzerten Kammermusik, trat mit ihrem Lehrer Sang-Jin Kim und dessen Musikensemble auf. Nach ersten Solokonzerten in Korea gewann sie 2010 den Internationalen Johannes Brahms Wettbewerb in Pörtschach und bekam damit eine Einladung zum Festival „Musica in Collina“ in Lapedona, Italien 2011. Im Februar 2013 erspielte sie sich den 1. Preis beim 7. Internationalen Yuri Bashmet Wettbewerb in Moskau und wurde im gleichen Jahr bei seinem Festival auf Elba mit dem „Elba Festival Preis 2013“ ausgezeichnet.
Anne-Sophie Mutters Stiftung hat Hwayoon Lee 2014 den Weg nach Deutschland mit einer internationalen Ausbildung zur professionellen Musikerin ermöglicht. Die Stargeigerin war in jeglicher Hinsicht ein großes Vorbild für die Bratschistin. Auf den Rat von Anne-Sophie Mutter unternahm die junge Bratschistin, bevor sie nach Deutschland wechselte, gemeinsam mit ihrem Großvater erst einmal eine europäische Kulturreise (u.a. Wien, Salzburg und Bonn). Im Anschluss daran besuchte sie – unterstützt durch die „Freundeskreis Anne-Sophie Mutter Stiftung e.V.“ die Kronberg Akademie und studierte dort von 2017 bis 2019 bei Prof. Nobuko Imai. Sie schloss ihr Studium mit dem Bachelor und dem Master ab.

Mit wachsender Begeisterung erweitert Hwayoon Lee ihr Repertoire und stellt sich immer größeren technisch-musikalischen Herausforderungen (von Brahms bis Ligeti). Dabei zeigt sie äußerst feinsinnig und mutig ihre eigene Bratschenstimme. Diese ist geprägt von einer beeindruckenden Leichtigkeit, Virtuosität, einer warmen Klanglichkeit und einer Präsenz, die man selten bei jungen Musikerinnen findet. Das Geheimnis: Sie erlernte die Kunst des Pansori, einer speziellen „Kunst des Erzählens“ und wurde damit schon als Dreijährige bei ihren Auftritten mit der Pansori-Meisterin Jung-Hae Oh auf der Bühne gefeiert. Heute moderierte sie gern ihre Konzerte und fasziniert durch ihre Geschichten, die sie nicht zuletzt im Lesen von Erich Kästner, Schiller und Goethe entwickelt hat.

Ende 2024 wird Hwayoon Lee ihr Studium bei Prof. Rohde an der Universität der Künste in Berlin mit dem Konzertexamen abschließen. Hwayoon Lee achtet in ihrem musikalischen Repertoire sorgsam auf einen befruchtenden Wechsel zwischen dem zukunftweisenden Erbe der Kulturen: mit dem Koreanischen Nationalorchester spielt sie Bratschenkonzerte für traditionelle koreanische Instrumente und Viola, mit Mutter’s Virtuosi führt sie gern Klassiker wie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ auf und mit einem Pianisten spielt sie u.a. Kammermusik Shinuh Lee.

Hwayoon Lee spielt auf einer Vuillaume Bratsche mit der Name ‚Cheremetieff‘, eine Leihgabe der Anne-Sophie Mutter Stiftung.

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